Gesunde Ernährung trotz Schichtdienst

Thema: Ernährung
Umfang: 4549 Zeichen
Geeignet für: Wochenzeitung, Zeitschrift, Broschüre
Bereits erschienen in: Station24 bibliomed, 2014

Frank Schmidt, 42, arbeitet als Industriemechaniker im Schichtdienst und leidet seit einigen Jahren unter Gewichts- und Verdauungsproblemen. Nachts bestellt er oft Pizza mit den Kollegen, und dass Cola nicht gerade gesund ist, weiß er selbst – doch wie soll er die Nachtschicht ohne Koffein überstehen?

So wie Schmidt geht es circa 5,9 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland: Ärzte, Krankenschwestern, Betriebselektroniker, Produktionshelfer oder Polizisten, die im Drei- oder Mehrschichtsystem arbeiten. Zum aufwendigen Kochen bleibt oft wenig Zeit, vor allem bei Schichtwechseln mit nur elf Stunden gesetzlicher Ruhezeit zwischen Spätdienst heute und Frühdienst gleich morgen.

„Wichtig ist, im Rhythmus zu bleiben. Letztendlich sollten immer vier bis sechs Stunden zwischen den großen Mahlzeiten liegen, und das sollte auch während einer Schicht beibehalten werden“, erklärt Annette Schwager, Diplom- Ernährungsberaterin aus Hannover. Doch was ist, wenn es genau daran scheitert, weil z.B. für Krankenschwestern im Nachtdienst oft gar keine ungestörten Pausen vorgesehen sind?  In diesem Fall rät Schwager zu mehreren kleineren Mahlzeiten: „Vier bis sechs Mahlzeiten in einem Ernährungsplan sind auch ok. – es sollte jedoch nicht ins Snacken übergehen.“

Generell lohnt es sich, feste Gewohnheiten für jede Schicht zu entwickeln, um auch bei häufigen Wechseln so viel Regelmäßigkeit wie möglich bei den Mahlzeiten einhalten zu können. So kann man sich mental besser auf die Ernährung einstellen und kommt nicht jedes Mal in Versuchung, bei Hunger spontan zu Pommes oder Chips zu greifen. Deswegen sollte man selbst vor der Frühschicht essen, auch wenn es schwerfällt – „zur Not wenigstens einen Milchkaffee oder eine Scheibe Toast“, so Schwager. „Am besten möglichst kohlenhydratreich. Wenn man morgens aufsteht, sind die Glykogenspeicher entleert, die müssen dann erst mal aufgefrischt werden.“

Ihre Kollegin Dipl.-Ing. Katja Bär-Hanuja, zertifizierte Ernährungsberaterin aus Püttlingen/Saar weist darauf hin, dass die Mittagsmahlzeit auch bei Schichtarbeit möglichst zwischen 11.00 und 13.00 Uhr liegen sollte. „Wer Spätschicht hat, nimmt am besten eine Zwischenmahlzeit am Nachmittag und ein kaltes Abendessen noch während der Arbeitszeit ein, zum Beispiel Vollkornbrot mit einem Gemüsedip aus Karotten, Kohlrabi, Gurken oder Tomaten. Wer`s süßer mag, kann auch Quark mit Obst oder Vanille essen – die süße Variante liefert schnell Energie, der Gemüsedip mit Vollkornbrot hält den Blutzuckerspiegel länger hoch.“

Eine besondere Herausforderung ist die Nachtschicht, da nachts die Verdauung langsamer abläuft und andere Hormone aktiv sind als tagsüber. Außerdem kämpft man als Nachtschichtarbeiter gegen die Müdigkeit an – mit Kaffee, aber manchmal auch mit Essen als Bewältigungsstrategie.

„Nachts sollte man eine eher leichte, aber ausreichende Mahlzeit zu sich nehmen, weil sonst am nächsten Tag das unkontrollierte Essen beginnt. Wer isst, um wach zu bleiben, sucht sich am besten gezielt Speisen zum Mitnehmen aus, beispielsweise Couscoussalat, den man gut im Einmachglas mitbringen kann“, so Schwager. Bär-Hanuja empfiehlt, gegen 1.00 Uhr eine warme Mahlzeit zu essen, da nachts die Körpertemperatur abnimmt: „Geeignet sind Eintopfgerichte oder Fleisch mit Gemüse und zwischen 4.00 und 5.00 nochmal ein Brot mit Salat oder ein Brötchen mit Lachs oder Forelle – das ist schnell vorbereitet und als Mahlzeit eher akzeptiert als ein einfaches Butterbrot mit Wurst.“

Zertifizierte Ernährungsberaterinnen wie Schwager und Bär-Hanuja beantworten solche Fragen gegen ein Honorar von ca. 60-70 Euro pro Stunde, die von den Krankenkassen bezuschusst werden – falls der Arzt eine Notwendigkeitsbescheinigung ausstellt, auch mit bis zu 100 Prozent (die Überweisung ist für Hausärzte budgetfrei). Kontakte vermitteln sämtliche Krankenkassen, die über einen bundesweit einheitlichen Katalog von geprüften Ernährungsberatern und -kursen verfügen; auch Kursgebühren werden mit maximal 75 Euro erstattet. Die kostenlose Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, „Essen, wenn andere schlafen –  Ernährungsempfehlungen bei Nacht- und Schichtarbeit“ hält weitere Anregungen und Rezeptvorschläge bereit.

Frank Schmidt hat es jedenfalls geschafft, seine Ernährung umzustellen: Durch regelmäßige Mahlzeiten, selbstgemachte Brote und Fruchtsaftschorle statt Cola ist er mittlerweile sieben Kilo leichter und vor allem zufriedener geworden.

Autorin/Urheberrecht: Anna Kiefer

 

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„Man muss hinter die Wörter schauen.“

Thema: Beruf Übersetzerin
Umfang: 9944 Zeichen
Geeignet für: Ressort Beruf, Fachzeitschrift, Website, Newsletter
Bisher veröffentlicht in: neu

Interview: Von Zielgruppen, Kriegen, Anatomie und Automaten: Zwei Übersetzerinnen erzählen von ihrem Arbeitsalltag.

Was bedeutet für euch Übersetzen?
Claudia Seebothe: Für mich ist das die Übertragung schriftlicher Texte von einer Sprache in eine andere. Im Gegensatz zum Dolmetschen geht es beim Übersetzen um Texte. Hier ist es wichtig, sich die Zielgruppe vor Augen zu führen: Welche Wirkung hatte der Text bei der Originalzielgruppe? Wie muss man ihn für die neue Zielgruppe in die andere Sprache übertragen, damit er wirkt?
Andrea Erdmann: Genau, für eine gute Übersetzung spielt der anzusprechende Adressatenkreis von Anfang an eine Rolle – Auftraggebern ist das oft nicht klar. Und was für mich auch untrennbar zum Übersetzen gehört, ist Kreativität. Zwar ist hier eine andere Kreativität als beim Dolmetschen gefragt, aber Sprache, egal ob gesprochen oder in fixierter Form, hat immer viele Facetten. Und je nach Textart sind auch Zeit und Muße unabdingbar mit einer (guten) Übersetzung verknüpft.

Das heißt, Übersetzer brauchen mehr als nur ein Wörterbuch und Fremdsprachenkenntnisse …?
Claudia Seebothe: Man kann nicht einfach ein Wort nach dem anderen übertragen, sondern muss hinter die Wörter schauen. Wörter haben eine Bedeutung: Es ist wichtig, das richtige Wort für den jeweiligen Kontext herauszufiltern. Fremdsprachenkenntnisse und Wörterbücher sind eine gute Basis, reichen aber nicht aus. Man muss wissen, wie man recherchiert. Übersetzer müssen in der Lage sein, Quellen zu bewerten. Auch Kulturkenntnisse gehören zwingend dazu. Das wird oft unterschätzt – etwa, wenn es um aktuelle politische Diskussionen oder Entwicklungen geht.
Andrea Erdmann: Das ist auch ein Grund, warum maschinelle Übersetzungen oft unzureichend oder auch einfach nicht flüssig zu lesen sind. Man braucht dann mehrere Anläufe, um wirklich den Sinn zu erfassen. Vieles lässt sich nicht 1:1 übertragen, da muss man auch schon mal länger überlegen oder recherchieren. Manchmal muss man mehrere Varianten austesten. Und ohne gute Allgemeinbildung geht natürlich gar nichts.
Claudia Seebothe: Bei Marketingtexten muss man spielen, ausprobieren: Wie wirkt das? Bei anderen Themen gibt es sehr sensible Wörter, die in einem Land selbstverständlich verwendet werden können, in anderen Ländern hingegen ganz andere Assoziationen wecken.

Habt ihr ein Beispiel dafür?
Claudia Seebothe: La Grande Guerre bedeutet wörtlich übersetzt Der Große Krieg. Als Deutsche geht man automatisch davon aus, dass es sich dabei um den Zweiten Weltkrieg handelt. Tatsächlich ist damit aber der Erste Weltkrieg gemeint, der im französischen kollektiven Gedächtnis viel stärker verankert ist, weil viele große Schlachten in Frankreich stattgefunden haben und es hohe Verluste gab, zum Beispiel in Verdun. Das muss man als Übersetzerin wissen, damit man hier nicht in eine falsche Richtung geht.
Andrea Erdmann: Zur Stilblüten-Hitliste gehören Automodell-Bezeichnungen wie zum Beispiel e-tron (Audis Elektroauto). Wenn ein Franzose das ausspricht, klingt es genauso wie das französische Wort für Kot beziehungsweise Kothaufen (étron). Und Uno (Fiat Uno) bezeichnet im Finnischen einen Trottel. Auch Toyotas MR2 kam in Frankreich nicht so gut an: MR2 wird dort je nach individueller Aussprache mit merde (Scheiße) oder merdeux (beschissen beziehungsweise Rotznase) assoziiert. Mittlerweile heißt dieses Modell in Frankreich nur noch MR.

Was war euer schwierigster Text?
Andrea Erdmann: Das war eine Übersetzung aus dem Bereich Medizingeschichte, in der es um anatomische Entdeckungen aus dem 17. Jahrhundert ging. Der Autor hatte sowohl die lateinische Originalquelle in seinen Aufsatz eingebaut als auch die gleiche Passage auf Französisch – allerdings in dem Französisch, das man im 17. Jahrhundert sprach. Zwei Details in jener französischen Passage waren mir auch nach mehrmaligem Lesen, Einarbeitung in das Thema und Sichtung anderer zeitgenössischer Quellen nicht wirklich klar. Eine Rückfrage beim Verlag beziehungsweise beim Autor ergab schließlich, dass dieser sich bei der Aufbereitung der Textpassagen auf Experten für diese alten Sprachen verlassen und sich nicht detailliert mit der Quelle auseinandergesetzt hatte. Es bedurfte einiger E-Mails, bis die stimmige Übersetzung der alten französischen Sätze ins Deutsche stand.
Claudia Seebothe: Bei mir war es die Übersetzung von Werbebroschüren für Treppen. Neben den Marketingformulierungen gab es darin auf einer Seite immer ein Bild zur Statik der Treppe. Dieses Bild war mit Fachausdrücken aus dem Bereich Statik beschriftet – immer nur ein Begriff, ohne Zusammenhang. Ich habe beim Kunden angerufen und mir die Begriffe erklären lassen. Die Recherche für die Begriffe in der Zielsprache war dann sehr umfangreich, weil auf den ersten Blick nicht ersichtlich war, ob doch eher dieser oder jener Terminus passt. Das hat die Bearbeitungszeit natürlich extrem verlängert.

Was war euer lustigstes Erlebnis als Übersetzerin?
Claudia Seebothe: Ich muss bei kreativen Texten oft schmunzeln. Gerade hatte ich einen Text in amerikanischem Englisch, der für unser deutsches Empfinden wenig „handfest“ war. In jedem zweiten Satz wurde betont, wie „great“ das Unternehmen ist. Das wirkt auf mich manchmal etwas zu enthusiastisch. Das funktioniert im Deutschen weniger, hier wollen die Kunden Fakten und Argumente.
Andrea Erdmann: Ein Privatkunde brachte mal zwei französischsprachige Arztberichte sowie Kopien seiner Ausweisdokumente zur Übersetzung. Dass er eine Übersetzung benötigte, drückte er so aus: „Sie brauchen das nur noch ins Deutsche umzuschreiben!“ Mit einem Lächeln wies ich ihn darauf hin, dass ein Übersetzungsprozess in der Regel mit „nur noch umschreiben“ nicht ganz realistisch beschrieben ist, und schlug ihm dann vor, die Dokumente zunächst einzuscannen, um die Zeilenzahl und so einen ungefähren Preis ermitteln zu können. Ich legte also das erste Dokument in den Scanner, der dann zu rattern begann, was mein Kunde interessiert verfolgte. „Aah, so wird das heutzutage gemacht!“ meinte er dann. Ganz offenbar dachte er, mein Scanner sei eine Art Übersetzungsautomat.

Dolmetscht ihr auch?
Claudia Seebothe: Nein. Als ich noch angestellt war, habe ich Verhandlungen bei geschäftlichen Treffen gedolmetscht. Dabei habe ich für mich festgestellt, dass mir das nicht genug Freiraum lässt. Beim Dolmetschen muss man das gesprochene Wort übertragen und hat gar keine Zeit, groß über Formulierungen und ihre Wirkung nachzudenken. Das mag ich am Übersetzen, dass man hier Zeit hat, die beste Wirkung auszuprobieren, kreativ zu werden.
Andrea Erdmann: Ja, aber nur beim Standesamt, bei der Polizei und bei Patientengesprächen. Leider wird Letzteres in der Regel so schlecht vergütet, dass ich das mit meinen anderen Aufträgen auffangen muss. Deswegen kann ich hier nur sehr begrenzt Aufträge annehmen, obwohl mir diese Aufgabe liegt und es eine willkommene Ergänzung zur reinen Bildschirmarbeit ist.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Post-Editing?
Andrea Erdmann: Gar keine. Bei den Anfragen, die ich bisher hatte, war sehr schnell ersichtlich, dass es für mich nicht wirtschaftlich ist, den Auftrag anzunehmen.
Claudia Seebothe: Sehr unterschiedliche! Ich hatte schon Texte, die maschinell vorübersetzt worden waren, bei denen ich kaum Änderungen vornehmen musste. Bei einigen Textsorten hatte ich das wirklich nicht erwartet. Gleichzeitig hatte ich aber auch Texte, bei denen es nicht funktioniert hat.

Hast du ein Beispiel dafür?
Claudia Seebothe: Einmal hatte ich eine Umfrage zum Thema Altern, bei der ich extrem viel nacharbeiten musste. Das lag daran, dass das Programm, mit dem die Umfrage erstellt wurde, vor allem mit Texten aus dem Marketingbereich „gefüttert“ worden war. In der Umfrage ging es aber eher um subjektive Empfindungen, Haltungen und persönliche Eindrücke. Die Maschine übersetzte den Begriff key concern mit „größte Herausforderung“. Das traf aber hier im konkreten Satz nicht das, was gemeint war. Ich habe es so umformuliert: „Was sind Ihre größten Ängste und Sorgen?“
Auch schön war der maschinell übersetzte Satz aus einer Produktbeschreibung: „Biegen Sie das Maul Ihres Kindes auf“.

Was empfehlt ihr Auftraggebern, die einen guten Übersetzer suchen?
Claudia Seebothe: Falls sie noch niemanden an der Hand haben und einen guten Übersetzer suchen, würde ich ihnen die Datenbank des Bundesverbandes der Übersetzer und Dolmetscher (BDÜ) empfehlen. Die Übersetzer, die dort Mitglied sind, haben eine Ausbildung oder ein Studium als Übersetzer absolviert und sind damit fachlich qualifiziert. Außerdem würde ich darauf achten, ob der Übersetzer auch Korrekturlesen anbietet oder nach dem Vier-Augen-Prinzip arbeitet.
Andrea Erdmann: Ich finde die Mitgliedschaft in einem Berufsverband ebenfalls sehr sinnvoll, zumal die Bezeichnung Übersetzer nicht geschützt ist. Außerdem ist es in jeder Hinsicht von Nutzen, wenn Übersetzer sich fortbilden, im Austausch mit Fachkollegen stehen und Projekte auch im Team übernehmen können. Und zu guter Letzt würde ich immer kleinere Büros vorziehen, sodass man einen direkten Ansprechpartner beziehungsweise idealerweise unmittelbaren Kontakt zum Übersetzer hat. So kommen wichtige Informationen ohne Umwege an. Und wie schon erwähnt ist es sehr von Vorteil, dem Übersetzer bereits bei der Anfrage Angaben zur Zielgruppe machen zu können, denn sie ist oft ein wichtiger Baustein für eine gute Übersetzung.

Autorin/Urheberrecht: Anna Kiefer

 

Claudia Seebothe übersetzt seit 2 Jahren Marketingtexte aus dem Französischen und Englischen ins Deutsche.
Andrea Erdmann übersetzt seit 22 Jahren aus dem Französischen ins Deutsche. Ihr Schwerpunkt liegt in den Bereichen Medizin, Vertragsrecht und Hohlglasindustrie.
Anna Kiefer übersetzt vor allem medizinische Texte aus dem Englischen und Polnischen ins Deutsche. Außerdem schreibt sie Beiträge für Zeitungen und Fachzeitschriften, aber auch für Websites, Newsletter und Broschüren. Weitere Beispiele und Texte: https://sprache-medizin.de/aus-meiner-feder/

 

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Was macht eigentlich … ein Webdesigner?

Thema: Interessante Berufe und Werdegänge
Umfang: 9175 Zeichen
Geeignet für: Ressort Beruf, Newsletter, Broschüre, Website
Bisher veröffentlicht in: neu

Interview: Webfabrikant Jacek Kuclo aus Hannover gestaltet Websites für kleine, mittlere, große und ganz kleine Unternehmen. Der Mediendesigner versteht sich dabei als Bindeglied zwischen Technik und Kreativität. Anna Kiefer sprach mit ihm über seine Arbeit, die für ihn mehr ist als nur ein Job.

Hinweis: Beitrag ist werblich

Webdesigner, Grafikdesigner, Mediengestalter, Webfabrikant … das ist alles ziemlich verwirrend. Worin besteht der Unterschied? Und was davon sind Sie?

Es ist richtig, dass viele dieser Branchen heute große Schnittmengen miteinander haben. Ich vergleiche das immer gern mit dem Hausbau: Wenn man ein Haus baut, braucht man einen Architekten und einen Bauingenieur. Der Architekt entwirft (designt) das Haus, zeichnet Grundrisse, legt die Anzahl der Räume fest und gestaltet es. Der Bauingenieur setzt das um, was der Architekt entworfen hat. So ähnlich ist es auch bei Websites: Architekt ist in dem Falle der Webdesigner, der Bauingenieur ist der Mediengestalter. Ich bin beides. In erster Linie bin ich Webdesigner, sehe mich selbst jedoch auch als Partner rund um Website-Fragen. Meiner Meinung nach ist es die Kombination aus kreativen Ideen und technischer Umsetzung, die meinen Job als freiberuflicher Webdesigner so einzigartig macht. Als Webdesigner ist man so etwas wie ein Bindeglied zwischen Technik und Kreativität.

Und das bedeutet was genau? Programmieren Sie Websites?

Bei einer Website gibt es zwei Arten von Programmiersprachen: Eine relativ einfache für den Browser (JavaScript) und eine komplexe für den Server (PHP). Als Webdesigner nutze ich die einfache Programmiersprache, wenn ich Seiten in WordPress gestalte. Ich kann WordPress-Funktionen erweitern oder Plugins so optimieren, dass sie sich gut ins Gesamtdesign der Website einfügen. Die Website soll ja schließlich aus einem Guss sein und stimmig aussehen. Wenn eine Website bestimmte Sonderfunktionen haben soll, arbeite ich mit jemandem zusammen, der die komplexe Programmiersprache beherrscht. Letztes Jahr habe ich beispielsweise eine Seite für einen Blutspendedienst eingerichtet. Ein Wunsch war, dass über die Website online Spenden gesammelt werden können. Gleichzeitig sollten die Spender die Möglichkeit erhalten, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Dafür habe ich mich dann mit einem PHP-Programmierer zusammengesetzt und einen Online-Shop so umgearbeitet, dass die Leute mit der Spende ein Los bekamen.

Die Wünsche Ihrer Kunden sind bestimmt sehr unterschiedlich, oder?

Ja. Das ist schon allein deswegen so, weil meine Kunden aus den verschiedensten Branchen kommen. Eine Social-Media-Agentur, ein Chocolatier und ein großer Freizeitbetrieb mit Saunalandschaft gehören ebenso zu meinen Kunden wie eine Übersetzerin für Französisch, um nur einige Beispiele zu nennen. Vor ein paar Jahren habe ich auch mal eine Website für einen Katalysator-Hersteller für Biogasanlagen entwickelt. Und durch einen Fensterbauer habe ich sehr viel über Fenster und Wintergärten gelernt. Aber genau das liebe ich an meinem Job!

Meine Kunden erzählen mir, was sie sich für ihre Website vorstellen. Ich lasse mir dann etwas einfallen und stelle meinen Kunden diese Idee vor. Wenn sie ihnen gefällt, kümmere ich mich darum, diese Ideen auf attraktive Weise umzusetzen.

Wo kann man das lernen?

Es gibt verschiedene Ausbildungen und Studienrichtungen. Ich habe in Köln und Trier studiert und meinen Master in Mediendesign gemacht. Ein Projekt, das mir in Erinnerung geblieben ist, war ein Kurs über Interface-Design und User-Experience gleich zu Anfang des Studiums. Die deutsche Bahn lud unseren Kurs in die Zentrale nach Frankfurt ein und berichtet uns von ihren Problemen. Ein Thema war, dass es auf manchen Strecken kein Internet gibt, weil die Funkverbindung fehlt. Von uns wollten sie wissen, was wir darüber denken. Als Studierende sollten wir uns überlegen, was man den Leuten anbieten könnte. Jeder von uns muss dann eine App grafisch entwickeln, als Semesterprojekt. Ob die Bahn am Ende eine davon übernommen hat, weiß ich leider nicht. Aber es war spannend, von denen eingeladen zu werden und in kleinen Gruppen Lösungen zu erarbeiten.

Und was ist mit Branchenkenntnis? Wie können Sie eine Website für einen Kunden gestalten, wenn Sie eigentlich gar keine Ahnung von seinem Beruf haben?

Um eine maßgeschneiderte Website zu schaffen muss ich meinen Kunden zu Beginn eine ganze Reihe Fragen stellen, um zu verstehen, was genau sie brauchen und wollen. Mein Job ist es, hier konkret nachzufragen und herauszufinden, was sie sich vorstellen und wie ich ihnen helfen kann. Wenn es von der räumlichen Entfernung her machbar ist, besuche ich sie auch vor Ort. Dadurch bekomme ich eine genauere Vorstellung davon, was mein Kunde macht, und wir kommen besser ins Gespräch, um Ideen zu entwickeln. Ich finde es spannend, was meine Kunden machen – egal wie groß oder klein die Unternehmen sind. Und ich nehme mir Zeit, die Menschen kennenzulernen.

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einer Website für ein Restaurant und einer Website für einen Anwalt. Eine Restaurant-Website muss ansprechend aussehen, den Stil des Restaurants auch online präsentieren und einladend wirken. Für einen Anwalt ist ein absolut seriöser Eindruck wichtiger. Hier spielen vertrauenerweckende Farben, Schriftarten und klare Aussagen eine große Rolle. Am Ende wollen jedoch beide das Gleiche: Mehr zahlende Kundschaft. Und dafür muss die Website gewisse Grundlagen erfüllen damit die Website-Besucher zu Gästen oder Klienten werden.

Wie viel Zeit muss man als Auftraggeber ungefähr einplanen, wenn man eine komplett neue Website von Ihnen erstellen lassen will?

Das hängt stark davon ab, welche Vorüberlegungen und Vorbereitungen der Auftraggeber bereits getroffen hat. Steht zum Beispiel die Struktur oder wurden schon Fotos ausgewählt?

Oft wissen die Kunden, was ihre Website können soll. Zur Gestaltung haben sie aber meistens keine Ideen, wenn man mal von der Farbe oder dem Corporate Design absieht und brauchen Inspiration. Je nach Situation entwerfe ich dann zum Beispiel eine Skizze auf Papier, damit man sich losgelöst von Farben erstmal auf den Aufbau konzentrieren kann. Anderen Kunden zeige ich zwei bis drei Designvorlagen, aus denen sie ihren Favoriten auswählen.

Wenn alle Texte und Fotos bereitgestellt wurden, sollte man für eine kleinere, überschaubare Website etwa drei bis vier Wochen einplanen. Der Umbau eines Online-Shops für einen Spendenfunktion mit Gewinnspiel dauert natürlich länger – drei bis vier Monate kann man da schon einrechnen.

Bei kreativen Arbeiten ist es oft so, dass dem Kunden oder mir zwischendurch noch etwas einfällt. Damit man sich hier nicht verzettelt, sollte man sich Deadlines für Zwischenziele setzen. Und in manchen Fällen kommen organisatorische Schwierigkeiten auf Seite des Kunden hinzu, wenn etwa Zuständigkeiten unklar sind oder sich rechtliche Fragen ergeben. Dadurch kann sich das Ganze natürlich verzögern.

Und wie sieht es mit den Kosten aus? Ein Solo-Selbstständiger oder ein gemeinnütziger Verein kann vielleicht einfach nicht so viel in seinen Webauftritt investieren wie eine größere Firma … ?

Meistens stellt sich im ersten Beratungsgespräch heraus, was von den Wunschvorstellungen umsetzbar ist und was nicht. Dann ist auch ungefähr klar, wie viel Arbeitszeit in der Website stecken wird, und daraus ergibt sich ja dann der Preis. Meine Beratungsgespräche stelle ich übrigens nicht in Rechnung, weil mir der Austausch mit den Kunden wichtig ist – und weil ich nett bin (grinst).

Wenn der Kunde nur eine kleine Website mit wenigen Unterseiten möchte und Texte und Bilder gut vorbereitet hat, berechne ich in etwa einen Tagessatz. Sollen die Texte und Fotos von mir kommen, dauert das Ganze natürlich länger und kostet entsprechend mehr.

Angesichts der Corona-Pandemie haben viele Unternehmer ein großes Problem: Mit der Auftragslage ist auch die finanzielle Situation unklar. Große Investitionen scheinen derzeit nicht sinnvoll. Ist es da nicht besser, Investitionen in eine Website auf später zu verschieben?

Das Schöne an Websites ist, dass sie stets erweitert und gepflegt werden können. Für den Start, also das live-Gehen der Website, müssen noch nicht alle Funktionen da sein. Der Chocolatier zum Beispiel brauchte zunächst nur ansprechende Fotos und eine Seite mit Telefonnummer und Öffnungszeiten. Die Speisekarte ging erst später online. Auch Kundenstimmen oder die Firmengeschichte sind zunächst nicht zwingend notwendig, damit ein Webauftritt starten kann. So kann man die Kosten zu Beginn gering halten und alles Weitere mit der Zeit einpflegen, wenn wieder Geld übrig ist.

Wer die Corona-Zeit nutzen möchte, kann mit mir gemeinsam überlegen, wie man seine Website verbessern kann. Dazu setzen wir uns zu einem ersten kostenlosen Beratungsgespräch zusammen, in dem der Kunde alle Fragen vorab klären kann. Dabei entstehen zunächst keine Kosten. Und es ist durchaus nicht unüblich, dass manche Kunden sich erst ein paar Monate nach dem Beratungsgespräch wieder melden, weil sie im laufenden Geschäft einfach keine Zeit gefunden haben, sich weiter mit ihrer Website auseinanderzusetzen.

Autorin / Urheberrecht: Anna Kiefer

 

Jacek Kuclo ist Mediendesigner. Unter dem Namen Webfabrikant gestaltet er Websites für kleine und mittlere Unternehmen. Website: www.webfabrikant.de

Anna Kiefer ist Sprachdienstleisterin. Als freiberufliche Texterin führt sie Interviews mit Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich Content für ihre Website wünschen. Als freiberufliche Journalistin schreibt sie auch journalistische, nicht-werbliche Beiträge für Zeitungen und Fachzeitschriften. Weitere Beispiele und Texte: https://sprache-medizin.de/aus-meiner-feder/

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Ausgerechnet Weihnachtsmarkt? Ein Ausflug mit Geflüchteten

Thema: Geflüchtete, Weihnachten
Umfang: 3788 Zeichen
Geeignet für: Referenzartikel
Bisher erschienen in: Die Rheinpfalz, 2014

Germersheim/Speyer: Ohne Berührungsängste und fasziniert von christlicher Tradition und Brauchtum. Germersheimer Studentinnen besuchen mit Flüchtlingen den Weihnachtsmarkt in Speyer.

Vor der Uni treffen wir uns: Vier Germersheimer Studentinnen, zehn Geflüchtete und ich, die noch niemanden kennt. Wir wollen nach Speyer, zum Weihnachtsmarkt. Organisiert wurde der Ausflug von der studentischen Initiative Cross Borders. Während wir zum Bahnhof spazieren, beschäftigt mich vor allem eine Frage: Ist es nicht ein wenig ironisch, Geflüchteten ausgerechnet den Weihnachtsmarkt zu zeigen, wo man kurz vor dem Fest nochmal so richtig Geld ausgeben kann für Glühwein und Geschenke? Dazu die ständig dudelnde Heile-Welt Musik … zum Glück ist es nicht so kalt.

Im Zug frage ich Karim [Name zum Schutz der Betroffenen von der Autorin geändert], der vor drei Monaten über Ungarn und Österreich nach Germersheim gekommen ist: „Warst Du schon mal auf einem größeren Weihnachtsmarkt?“ Der Syrer verneint. Er ist auch kein Christ, sondern Muslim. Aber das spielt für ihn keine Rolle – er möchte die deutsche Kultur kennenlernen. In seiner Heimat hat der 27-Jährige vier Jahre als Geographielehrer gearbeitet. Nun paukt er täglich in seiner Einzimmerwohnung in Sondernheim deutsche Grammatik – und hört dazu Mozart, Bach oder Beethoven.

Als wir in Speyer ankommen, beginnt es bereits, dunkel zu werden. Gemächlich schlendern wir über das Altpörtel Richtung Dom und legen einen kurzen Zwischenstopp ein für ein Gruppenfoto: Ibrahim [Name zum Schutz der Betroffenen von der Autorin geändert] aus Ägypten ist Fotograf und hat derzeit eine Fotoausstellung im Haus Interkultur in Germersheim. Viele der durchweg gut gekleideten jungen Leute haben eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen – nicht so Hanad [Name zum Schutz der Betroffenen von der Autorin geändert], der am liebsten ein Handwerk erlernen möchte. Mit wachen Augen erklärt der Somalier, wie wichtig eine gute Schulbildung ist. Ihm selbst blieb sie verwehrt, weil in seinem Heimatland seit 26 Jahren Krieg herrscht – er selbst ist 27. Das Schlimmste ist für ihn die Untätigkeit, zu der man als Asylsuchender während der ersten neun Monate gezwungen ist: „Man verliert kostbare Zeit, in der man einen Beruf erlernen könnte. Jeden Tag weiß man schon beim Aufstehen, dass man nichts, aber auch gar nichts tun darf, um die eigene Situation zu verbessern.“ Ob er manchmal neidisch sei auf das im Vergleich dazu sorglose Leben der Deutschen? „Nein“, sagt Hanad und lacht. „Menschen sind wie unsere Finger. Manche sind länger oder kürzer, dicker oder dünner. Einige haben Träume und nutzen ihre Chancen, andere nicht – das ist bei Deutschen so, aber auch bei somalischen Landsleuten.“

Mittlerweile sind wir bei einem Getränkestand angekommen und gruppieren uns um zwei überdachte Stehtische. Die meisten Flüchtlinge sind Muslime und trinken keinen Alkohol, aber den heißen, duftenden Apfelpunsch finden alle gut. Mohammed weiß gutes Essen besonders zu schätzen: Auf seiner Flucht aus Kuwait hat der 33-Jährige sich sechs Tage lang hauptsächlich von Nahrungsmittelkonzentraten ernährt. Für diesen „Service“, den „sicheren“ Transport als blinder Passagier in einem Container, hat er einem Schleuser umgerechnet 7 000 Euro gezahlt.

Dennoch erzählt er ruhig und ohne Bitterkeit, genau wie Karim und Hanad. Karim ist fasziniert von der christlichen Tradition und möchte alles wissen über Weihnachtsgeschichte, Krippe, Adventskranz und die Bibel. Über eine Stunde lang reden wir über Weihnachtsbräuche, die Weltreligionen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Islam und Christentum. Als wir im einsetzenden Nieselregen den Rückweg antreten, ist es für mich überhaupt keine Frage mehr, ob man mit Geflüchteten einen deutschen Weihnachtsmarkt besuchen kann.

Autorin/Urheberrecht: Anna Kiefer

 

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„Will noch jemand ’ne Wurst?“

Thema: Politiker vor Ort
Umfang: 5508 Zeichen
Geeignet für: Referenzartikel
Bisher erschienen in: Die Rheinpfalz, 2016

Kurzreportage: Bundestagsabgeordneter Thomas Hitschler wirbt bei Bratwurst und Getränken um mehr Interesse am politischen Geschehen.

Rülzheim. Am Mittwochabend ist die Alla Hopp Anlage voll: Kinder turnen auf riesigen Steinen herum, Eltern picknicken in der Abendsonne. Auf der großen Wiese wird Fußball gespielt und in einer Ecke hinter dem Bewegungsparcours steht der Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler und grillt Würstchen. Was zunächst wie eine Privatveranstaltung aussieht, ist Teil seiner Sommertour: Unter dem Motto „Sommer, Bratwurst, Politik“ sind alle Bürger eingeladen, mit ihm über politische Themen zu diskutieren.

18.05 Uhr: Die Gruppe der Gäste ist überschaubar. Manche sind Mitglied der SPD, andere nicht. Einige nutzen den Bewegungsparcours, um sich vorsichtig anzupirschen, fahren erstmal eine Runde Pedalo und spähen durchs Gebüsch, bevor sie sich entscheiden, ein Würstchen zu nehmen. Hitschler wird zum Verkauf des Flughafens Hahn befragt, der gerade geplatzt ist. „Politik interessiert mich schon“, erklärt Ottmar S., der mit seiner Frau Angelika die Ausführungen des Politikers verfolgt. „Zum Beispiel die Rentenpolitik, die allerdings wirklich traurig ist.“ Seine Frau sorgt sich um die Zukunft ihrer Enkelkinder, die sie auf dem Pausenhof nicht mehr gut aufgehoben sieht. „Davon abgesehen muss man sagen, dass wir hier eigentlich in einer Idylle leben, wenn man das mal vergleicht“, so S.

18.20 Uhr: Tatsächlich ist die Rente das Thema, das als nächstes angesprochen wird. Hitschler erklärt die Stellschrauben, an denen man dabei drehen könne und erklärt die ursprüngliche Idee einer Bürgerversicherung. Er schlägt vor, Arbeit und Rente flexibler zu gestalten, sodass etwa Führungskräfte, die auch nach 65 noch weiterarbeiten möchten, ihr lang erarbeitetes Fachwissen einbringen können. Da kommt auch schon der erste Einwurf: „Nicht alle haben eine leitende Position!“ Jemand anderes pflichtet bei: „Man kann nicht alle Hühner zu Adlern machen.“ Die Diskussion nimmt Fahrt auf. Es werden viele Fragen gestellt – meist von älteren Herren, die einen Kreis um Hitschler gebildet haben. Seitengespräche entwickeln sich.

18.30 Uhr: Die Gruppe ist auf 13 Teilnehmer angewachsen. Zu den Männern haben sich drei Frauen hinzugesellt. Fritz K. von der SPD Rülzheim findet es gut, wenn sich ein Politiker bereits ein Jahr vor der Bundestagswahl mit den Fragen der Bürger auseinandersetzt. Für ihn ist nicht nachvollziehbar, warum bei der Erarbeitung des neuen Teilhabegesetzes in Berlin kein einziger Behindertenverband miteinbezogen wurde. Hitschler spricht derweil über den Bau der Rheinbrücke, der seit langem die Gemüter erhitzt. Auf einen Baubeginn will er sich nicht festlegen, betont jedoch, dass dem Bau im aktuellen Bundesverkehrswegeplan die höchste Dringlichkeitsstufe zugebilligt worden sei: „Je länger das Verfahren dauert, desto sorgfältiger kann das Ganze juristisch abgesichert werden. Wenn etwa die Einwände von Umweltverbänden aus Zeitgründen übergangen werden, wird vor Gericht alles abgelehnt und das Projekt zieht sich noch mehr in die Länge.“ Umweltschutz ist das Thema, für das sich Franz W. am meisten interessiert. Er ist zufällig mit dem Rad vorbeigekommen und hielt an, um die Diskussion zu verfolgen. W. vermisst die „Charakterköpfe von früher“ und erwartet von Politikern Zuverlässigkeit und klare Meinungsäußerungen statt leerer Floskeln. Hitschler ist ihm zu vage.

18.50 Uhr: „Will noch jemand `ne Wurst?“ Die Strategie ist aufgegangen: Echte Südpfälzer haben wenig Hemmungen, mit einem – wenn auch hochrangigen – Grillmeister zu sprechen. Hitschler hält dabei keinen Monolog, sondern geht konsequent auf alle Fragen ein, die ihm gestellt werden. Er erläutert Hintergründe verständlich, betreibt keinerlei Partei-Propaganda oder Selbstbeweihräucherung und schießt auch mal zurück: „Das sehen Sie jetzt aber sehr einseitig – Deutschland muss sich mit beiden, mit Amerika und mit Russland verstehen.“ Es geht um die Pläne der NATO, 4 000 Soldaten an der Grenze zu Russland zu stationieren. Als Mitglied im Verteidigungsausschuss ist er gegen eine Erhöhung des Rüstungsetats und setzt stattdessen auf Dialog: „Jede Minute, in der man sich unterhält, ist doch eine Minute, in der nicht geschossen wird!“ Die Stimmung ist gut, die Themen wechseln schnell.

19.15 Uhr: Der Gasgrill wird runtergefahren. 35 Würstchen und ebenso viele Brötchen wurden verzehrt, die Hitschler seiner Büroleiterin Corinne Herbst zufolge aus eigener Tasche finanziert hat. Die vier Gäste, die noch dazukommen, gehen leider leer aus, bleiben aber trotzdem. Langsam wird es kühl. Hitschler bedankt sich bei allen und platziert zum Ende doch noch einen einzigen Hinweis auf seine Partei: Dass nämlich nur eine sozialdemokratische Gesellschaft eine Zukunft haben könne. Letztlich sei es aber nicht wichtig, welche demokratische Partei man unterstütze, solange man sich einbringe und Veränderungen mitgestalte. „Was passiert, wenn man anderen das Feld überlässt und schweigt, hat dieses Land in seiner Vergangenheit mehrfach erfahren.“ Einige Anwesende nicken bestätigend. Sechzehn Gäste sind es nun, von denen zwei zur nächsten SPD-Sitzung kommen wollen, „mal anschauen“. Sie würden gern noch weiterreden, haben noch viele Fragen. Der Abend in Rülzheim war jedoch nicht die einzige Gelegenheit, sie zu stellen: Weitere Grillaktionen sind in Landau, Hagenbach, Annweiler, Schwegenheim, Wörth, Billigheim-Ingenheim und Klingenmünster geplant.

Autorin/Urheberrecht: Anna Kiefer

 

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Geschützt: Grußwort für die Weihnachtsausgabe

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Grußwort für die Ausgabe in der Urlaubszeit

Thema: Mustertext Grußwort 3. Quartal
Umfang: 1585 Zeichen
Geeignet für: Firmenzeitschrift, Vereinszeitschrift, Kundenzeitschrift, Newsletter, Website
Bisher veröffentlicht in: neu

Liebe Mitarbeiterinnen, liebe Mitarbeiter,

während die ersten von uns ihren Urlaub schon hinter sich haben, warten die anderen sehnsüchtig darauf, dass es endlich so weit ist. Erholung ist wichtig. Dennoch fällt es vielen schwer, richtig abzuschalten. Der Urlaub ist zu kurz oder wird von lästigen Pflichten in Anspruch genommen. Auch ist es nicht immer leicht, den eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden und gleichzeitig für die Familie zu sorgen. Wer Angehörige pflegt, tut sich mit dem Urlaub oft zusätzlich schwer.

[Firmenname] möchte Sie dabei unterstützen, die richtige Balance zu finden. Häuslebauer oder pflegende Angehörige können bei [Firmenname] ein paar Tage „dranhängen“. Wie das geht, erfahren Sie auf Seite [Seitenzahl]. Unsere Feel-Good-Managerin [Name] berät Sie anonym und streng vertraulich, wenn Ihnen das Abschalten schwerfällt. Wie sie ihren Urlaub verbringt, berichtet sie im Interview mit [Name, Position] auf Seite [Seitenzahl]. Auf den Seiten [Seitenzahl – Seitenzahl] haben wir fünf Ihrer Kolleginnen und Kollegen befragt, wo sie gern mal ihren Urlaub verbringen würden.

Egal ob im Urlaub oder zum Feierabend: Wir wünschen Ihnen, dass Sie jeden Tag ein bisschen Zeit finden, die Seele baumeln zu lassen, Alltagssorgen zu vergessen und die vielen kleinen und großen Probleme bei [Firmenname] hinter sich zu lassen – beim Wandern, Schwimmen oder Lesen, beim Sport, beim Spielen mit den Kindern, beim Essen mit Freunden oder beim Tanzen mit dem Partner/der Partnerin. Viel Spaß beim Lesen, schönen Feierabend oder schönen Urlaub!

Autorin/Urheberrecht: Anna Kiefer

 

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Geschützt: Grußwort für die Ausgabe im Frühling – KieferTexterstellung

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Geschützt: Grußwort für die erste Ausgabe zum Jahresbeginn

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